Freimaurerei

Die Geschichte der Freimaurerei geht auf die Bauhütten der Steinmetze des Mittelalters zurück. Diese waren zunftartig organisiert. Sie hatten feste Regeln des Arbeitens und einen Ehrenkodex für ihre Gemeinschaft. Im Regius-Manuskript, der ältesten bekannten Zunftordung der Steinmetzbruderschaften (1390) sind folgende Zitate zu finden:“ Kein Meister dem Anderen soll widerstreben/ Sie sollen wie Bruder und Schwester leben/ Alle und Einige in dieser Handwerkerschaft welche nach Meisterschaft verlangen.“

Frauen waren im Mittelalter durchaus in Berufsgemeinschaften vertreten, was im Zuge der Reformation und der Aufklärung verloren ging.

Ende des 16. Jahrhunderts entstanden die ersten Freimaurerlogen. Sie übernahmen die Werkzeuge der Steinmetze, ihre Überlieferung und ihr Brauchtum und begannen damit auf rein geistiger Ebene zu arbeiten.

Im 18. Jahrhundert, im Zeitalter der Aufklärung, bereitete sich die Freimaurerei in England, Schottland und Irland rasch aus. Die ersten Grosslogen (Dachverbände) wurden gegründet. Diese nahmen nur Männer auf, da Frauen als „unmündige Wesen „ galten. In der Folgezeit entstanden weltweit Freimaurerlogen, meist organisiert als hierarchisch strukturierte Männerbünde.

Einzelne Freimaurerlogen in Frankreich (1634 ) und in Polen (1720) nahmen auch Frauen auf. Ab 1790  gab es in den USA erste reine Frauenlogen. Die französische Freidenkerin Maria Deraismes errichtete 1893 mit Georg Martin in Paris die erste gemischte Freimaurerloge, in der Männer und Frauen gleichberechtigt arbeiteten.

Heute versteht sich die Freimaurerei als eine Art Lebenskunst. Sie möchte zum wertfreien Nachdenken und zur gelebten Toleranz anregen. Vorurteile möchte sie durch einen reflektierten Umgang untereinander und mit Außenstehenden abbauen. Die alten Symbole der Steinmetze werden in Hinblick auf eine heutige ethische Lebensorientierung analysiert und ausgelegt.

Die drei Säulen des Logenlebens bilden Diskussionen/Auseinandersetzung mit aktuellen Themen, zeremonielle Abläufe in der Gemeinschaft und Geselligkeit. Keine dieser Säulen sollte in einer Loge zu kurz kommen.

Der Ort unserer Logenzusammenkünfte ist nicht zufällig gewählt. Die Freimauerei unterstützt auch Prozesse der Entschleunigung, Meditation und Achtsamkeit. Wie der Blick auf den japanischen Garten uns immer wieder dazu einlädt, in der Stille die Anmut und Schönheit der Natur zu betrachten, so will auch das freimaurerische Ritual uns einladen, zur Ruhe und zur Achtsamkeit zu kommen. Denn nur so gelingt es, sich in einem neuen Raum, außerhalb von richtig und falsch zu begegnen und Toleranz zu finden.